Die kinetische Klanginstallation Im Griess beschäftigt sich mit dem Phänomen der Permafrostschmelze im Schweizer Hochgebirge. Während die Schweizer Gletscher rapide vor unseren Augen schmelzen und bis voraussichtlich Ende des Jahrhunderts verschwunden sein werden, vollzieht sich etwas Unsichtbares aber noch viel tiefgreifenderes im Hintergrund. Die Oberflächentemperaturen der Berge nehmen zu und das schwächt den Permafrost. Mit der Wärme kann Wasser immer tiefer in die Berge drängen und hohen Druck aufbauen. Die Berge werden instabiler, was von rieselndem Griess, kleinen Felsstürzen bis zu gigantischen Bergstürzen wie in Blatten führen kann. Die Bergregionen werden sich nachhaltig und für Generationen verändern und sie werden lauter.
15 selbstentwickelte Klangmaschinen stehen auf verschiedenen Stativhöhen in der Kapelle der Helferei. Jeder dieser Maschinen bringen Granulate verschiedener Mischungen von Sorten (Kies, Splitter, Geröll) über Rotationsbewegungen ins Rutschen. Dadurch simulieren sie verschiedene Klangqualitäten erodierender Gebirgslandschaften. Je nach Intensität erzeugen die Steine verschiedene granulare Riesel-, Schlitter- und Sturzgeräusche, wobei feine, granulare bis dröhnend erschreckende Klangflächen erzeugt werden können. Im Zusammenspiel entsteht eine komplexe Klanglandschaft, die zwischen meditativen und disruptiven Zuständen alterniert. Die Komposition folgt einer Zeitachse, die 16 dokumentierten Bergstürzen in Schweizer Hochgebirge seit dem 19. Jahrhundert bis zuletzt Blatten 2025, chronologisch auf eine Dauer von 3 Stunden verdichtet. Treten die Bergstürze zu Beginn der Komposition noch vereinzelt als isolierte Ereignisse auf, nimmt die Häufigkeit der Stürze und das Volumen zum Schluss deutlich zu. Der Klimawandel hat einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit solcher Bergstürze. Während sie Anfang des 19. Jahrhunderts noch im Schnitt alle 20 Jahre auftraten, erfahren die Vorkommnisse ab 1980 eine immense Beschleunigung bis heute, wo sie durchschnittlich bereits alle drei Jahre auftreten. Die Besucher:innen werden auditiv ins Hochgebirge versetzt und können sich frei durch die Installation bewegen. Dabei sind sie zum Verweilen eingeladen, um Zeuge der rapiden Beschleunigung zu werden, mit der sich die Berge wandeln.
Die künstlerische Forschungsgruppe Augmented Ecospheres beschäftigt sich mit Ökosystemen im Wandel entlang des Wasserlaufs zwischen dem Griesslisee und dem Zürisee. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt die Unmittelbarkeit der Klimakrise zu dokumentieren und zu bezeugen. Besucher:innen werden damit zu Zeug:innen der katastrophalen Veränderungen, die sich permanent im Hintergrund unseres Alltags vollziehen.